Weshalb haben Sie das Klavierkonzert von Grieg ausgewählt – was gefällt Ihnen daran und was sind die Herausforderungen (für Solist und Orchester)?

Ich wurde vom Dirigenten Christoph Kobelt angefragt, dieses Werk mit dem Glarner Kammerorchester zu spielen, denn es passte gut ins Programmkonzept des Sinfonischen Chorkonzerts. Ich habe gerne zugesagt, denn es ist eins der bedeutenden und geglücktesten Klavierkonzerte; ein grosser Wurf des jungen Komponisten. Er hat wohl versucht, ein zweites Klavierkonzert zu schreiben, was ihm aber nicht gelang. Die Kehrseite seines grossen Erfolgs ist, dass man die Emotionalität des Klavierkonzerts bald nicht mehr schätzte, sondern es als „Salonromantik“ abtat. Damit geschieht ihm jedoch Unrecht – es hat seine eigene Bedeutung und Schönheit. Für mich steht es in der Tradition der grossen Klavierkonzerte, es hat z.B. das Klavierkonzert von Rachmaninow inspiriert.

Die Herausforderung für mich als Pianisten ist sicher, dieses Werk trotz seiner Bekanntheit sorgfältig und in ehrlicher Auseinandersetzung zu gestalten. So freue ich mich, es in Glarus   neu zu erleben, obwohl ich es schon so viel aufgeführt habe. Für ein Laienorchester hingegen ist es  sicher eine nicht alltägliche Herausforderung, dieses grosse Werk zu erarbeiten. Ein gutes Zusammenwirken von Solist und Orchester ist hier sehr wichtig.

Wie kommt es, dass Sie mit einem Laienorchester wie dem Glarner Zusammenorchester zusammen wirken? Welches sind Ihre Erinnerungen die gemeinsamen Konzerte?

Die Zusammenarbeit begann vor 15 Jahren, als ich kurzzeitig für einen verhinderten Glarner Pianisten einsprang. Nach Aufführungen der Klavierkonzerte von Chopin, Schumann, sowie des 4. Konzerts von Beethoven und Beethovens Chorfantasie, ist dies nun schon das vierte gemeinsame Projekt. An die Konzerte habe ich sehr positive Erinnerungen. Das begeisterte Publikum in Glarus hat mich sehr berührt, insbesondere erinnere ich mich, wie es nach  dem Klavierkonzert von Chopin mit sofortigen, sehr emotionalen Standing Ovations reagierte.

An Christoph Kobelt als Dirigenten schätze ich seine verbindliche Art, zu musizieren – das ist nicht nur eine musikalische „Geschäftsbeziehung“ wie oft bei Profis üblich, sondern es ist sozusagen Musik auf Freundschaftsebene. In dieses Bild passt auch, dass vom Laienorchester sehr viel Engagement und Liebe zur Musik eingebracht wird, was fehlende Perfektion durchaus ausgleichen kann. Auf dieser Basis kann man Musik gestalten!

Was bedeutet für Sie gute Musik und was ist Ihnen wichtig beim Musizieren?

Wichtig ist eine Vision, wie die Musik klingen und „herüberkommen“ soll. Der oder die Musiker müssen sie haben, aber es gibt niemals eine Garantie, dass es wirklich mit dem Publikum zu einer Interaktion kommt. Es ist ein Glück, wenn dies gelingt! Jede Aufführung ist in diesem Sinne eine Uraufführung – dieses wird von dem französischen Wort für Uraufführung “création“ sehr schön ausgedrückt.

Welches sind Ihre musikalischen Vorlieben? Liegt Ihnen die Romantik besonders?

Ja, sie zieht mich an, jedoch fühle ich mich auch im Barock, der Klassik und der Musik des 20. Und 21. Jahrhunderts  wohl. Vom positiven Echo der Kritik her, und auch im eigenen Erleben, sind die beiden Komponisten Scarlatti und Rachmaninow, mein Spezialgebiet.